staTThus Monitoring

staTThus Monitoring: wie entwickelt sich ein Wohnprojekt, welches als Modellprojekt der Bundesrepublik Deutschland ausgewählt wurde?

Wie bewähren sich die Leitgedanken und Umgangsregeln eines Wohnprojektes, Beispiel staTThus in Husum

 

Diese Internetseite ist nicht die Seite der "staTThus eG" oder der "WEG staTThus Wohnprojekt". *² Wer den Internetauftritt der staTThus eG sucht, wird hier statthus-husum.de fündig.

 

Hintergrund: 4 Partien (Wohnungen) haben das Projekt Mitte 2020 verlassen, weil dort für sie ein Leben, nach einem offenen zutage liegenden Bruch, nicht mehr möglich war. Verlassen haben das Projekt damit auch die einzigen Initiatoren der ersten Stunde und Entwickler*innen der Leitgedanken. Der Bruch wurde nicht geheilt, obgleich eine externe Mediation bei einem Bruch als ein Grundrecht des Wohnprojektes galt. Die Mediation gab es nicht, die Folge waren Entgleisungen, Verwerfungen und ein Rosenkrieg, der bis heute andauert.
Eine weitere Wohnung wurde zuvor verkauft. Hier ging es um das Selbstverständnis der Besitzerin, als Eigentümerin, und darum, wie viel viel Raum diesem Selbstverständnis gegeben werden soll. Zwei weitere Familien haben danach das Projekt verlassen, die Gründe dafür sind komplex und haben auf den ersten Blick mit dem Bruch nichts zu tun. Der zweite Blick ist dann ein anderer. Ein zweiter Blick ist auch hier entscheidend. Aktuell werden drei weitere Wohnungen von ihren Mieterinnen aufgegeben.

Seit Februar 2019 (Einzug) sind damit 10 Wohnungen bereits von den ursprünglichen Bewohner*innen aufgegeben worden. Das ist fast die Hälfte der Wohnungen (23 Wohnungen). Woran liegt das?

  • Ist dieses Wohnprojekt zu anspruchsvoll?
  • Oder ist es zu wenig anspruchsvoll?
  • Oder sind viele Bewohner*innen zu den Leitgedanken nie vorgedrungen?
  • War es eine Illusion, daran zu glauben, hier im "Wohnprojekt" anders leben zu können als in jedem beliebigen Mietshaus?

Das Wohnprojekt staTThus startete Anfang 2014 noch ohne Namen und als "Folgeprojekt" einer anderen Gruppe. Nach vielen guten, und einigen schlechten, Situationen kam der wirtschaftliche Durchbruch doch unerwartet: staTThus wurde als eines der wenigen Modellprojekte der Bundesrepublik Deutschland ausgewählt. Mit diesem Status als Modellprojekt der BRD ist nicht nur das Geschenk von 200.000 € verbunden, sondern auch eine Verpflichtung:

Im *Vertrag mit der Bundesrepublik Deutschland *³ geht es also darum, die Entwicklung des Wohnprojekts darzustellen, zu analysieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Diese Zugänglichkeit solle die Prozesse transparent und von der Idee über die Realisierung bis zur Bewertung bekannt machen.

Das eingereichte Konzept, für die Förderung, war nicht sehr besonders anders, als das Konzept vieler weiterer Projekte, aber es gab Besonderheiten, die hier genannt sind:

  • alle Mitglieder sind gleichberechtigt
  • Entschieden wird im Konsens
  • Entscheidungen gibt es nur im Plenum
  • hierarchische Strukturen werden vermieden

Es war nicht immer einfach, diese Leitgedanken mit Leben zu erfüllen, im Großen und Ganzen gelang es für einige Zeit dennoch. Später nicht mehr, dies ist dann Teil der Bewertung der Prozesse. War einigen Bewohner*innen der Inhalt der Leitgedanken völlig unklar? Wer muss dann Konsequenzen ziehen?

Alle Mitglieder sind gleichberechtigt. Das klingt einfach, übersichtlich. Das ist es nicht: Gleichberechtigung kann es nur geben, wenn die Prozesse in der ganzen Gruppe stattfinden. Abgetrennte Prozesse, in Vorstands- oder Aufsichtsratssitzungen... lassen nur einige Mitglieder den Weg gehen, der das Ziel ist.
Wenn ein Vorstandmitglied in der Genossenschaft nicht mehr Rechte als ein anderes Mitglied haben soll, dann ist dies nur umsetzbar, wenn sich alle Mitglieder daran halten wollen und sich daran halten. Aufgrund der Strukturen im Genossenschaftsgesetz kann ein/e Vorstand jederzeit seinen/ihren Auftrag, nur verwaltend tätig sein zu sollen, verlassen. Er/sie kann sich auf diese Strukturen berufen und behaupten, er/sie mache nun doch laut Genossenschaftsrecht alles richtig. Es kann auch passieren, dass viele Mitglieder dies dann auch richtig finden, obgleich dies mit den Leitgedanken nicht zur Deckung gebracht werden kann. Was machen dann die Mitglieder, die sich auf die Leitlinien verlassen haben (und diese gestaltet hatten)? Es kann passieren, dass diese Mitglieder machtlos zurückgelassen und nicht gehört werden. Es kann passieren, dass die Leitlinien einkassiert werden, ohne einen Prozess in der Gruppe und ohne den Konsens, der in den Leitlinien so lange festgeschrieben ist, bis die Leitlinien im Konsens verändert werden.

Es geht dabei um das Vertrauen.

Im Frühjahr 2020, ein Jahr nach dem Bezug des umgebauten Schulgebäudes, kam es zu einem Bruch dieses Vertrauens.

Auf der offiziellen Internetseite der staTThus eG findet sich kein einziges Wort über den Bruch im Vertrauen und den Folgen.

  • Wird die Präambel des Vertrages mit der Bundesrepublik Deutschland so erfüllt? Ist dies so legitim?
  • Müsste ein Wohnprojekt, welches als Modellprojekt der BRD Fördermittel in Höhe von 200.000 € bekommen hat, nicht zumindest vor diesem Hintergrund ein Monitoring betreiben?
  • Müsste ein Wohnprojekt nicht die Frage klären, welche Prozesse hier schief gelaufen sind?

Entscheidet selbst.

Es ist sehr viel schief gelaufen, nach meiner Meinung. Wenn es sonst niemand tut, mache ich die Prozesse des Bruches öffentlich, verzichte dabei auf die Nennung von Namen. Es gibt einen Teil der Bewertung, der die Analyse verlässt, jedoch als "Persönlich" gekennzeichnet ist. Falls in der Analyse persönliche Betroffenheit deutlich werden sollte, ist dies vielleicht ein Makel, vielleicht auch nicht.

Hier erfolgt der Versuch einer Beschreibung der schief gelaufenen Prozesse im Wohnprojekt staTThus. Diese Beschreibung kann anderen Wohnprojekten vielleicht dabei helfen, aus Fehlern zu lernen, ohne sie selbst machen zu müssen. Dies ist meine Interpretation aus den Bedingungen im Weiterleitungsvertrag der öffentlichen Fördermittel über das Modellprogramm.

Verfasst wurden alle Beiträge von Michael Graf und diese Seite bildet daher einen privaten Blick auf die von mir als Spaltung gesehenen Prozesse.

 *Präambel im Weiterleitungsvertrag der Förderung durch die Bundesrepublik Deutschland

Das Projekt wird im Rahmen des Programms „Gemeinschaftlich wohnen, selbstbestimmt leben" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Ziel des Programms ist es, die Bedeutung von gemeinschaftlichen Wohnprojekten für die Entwicklung von Quartieren und Dörfern als Baustein für eine generationen- und gendergerechte sowie inklusive Kommune darzustellen, zu analysieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Prozessgesteuert und transparent sollen die Schritte eines gemeinschaftlichen Wohnprojekts - von der Idee über die Realisierung bis zur Bewertung von Ergebnissen - anhand von ausgewählten Praxisprojekten ausgewertet und bekannt gemacht werden.

*² Die Seite der Genossenschaft hat diese Adresse: statthus-husum.de

*³ Der Vertrag ist mit dem Forum gemeinschaftliches Wohnen Bundesvereinigung e.V. abgeschlossen, stellvertretend für die Bundesrepublik Deutschland