Erzeugung der Gerechtigkeit

Ich möchte euch berichten, wie es mir geht:

Ich habe mich elf Jahre mit der Realisierung des Wohnungsprojektes befasst. Vier Jahre davon in Vollzeit. Eine Heimat hatte ich gefunden, ein Dach über dem Kopf, und ich war stolz darauf. Ich habe mich sicher gefühlt, so sicher, dass ich mir nicht vorstellen konnte, was jetzt passiert ist: Das Dach über meinem Kopf brannte, nach knapp über einem Jahr des Wohnens unter einem Dach. Nachdem das brennende Dach sah, habe ich nach Helfer*innen gesucht, um das Feuer zusammen löschen zu können. Es fanden sich Helfer*innen, vielen Dank euch, es waren sehr wenige aber sie hatten gute Augen. Sie schlugen eine Feuerwehr vor, die nach Lösungen für die gemeinsame Eindämmung des Feuers suchen sollte. Die Feuerwehr wurde von anderen Bewohner*innen als zu teuer eingestuft, oder als nicht ganz genau die, die nun besonders geeignet sein könnte. Man möge nach einer geeigneteren Feuerwehr suchen. Alternativ konnte man kein Feuer entdecken. Also brannte es weiter. Ich musste versuchen, das akute Feuer zu löschen und hatte keine Zeit für andere Dinge. Ich habe meine gemeinschaftlichen Arbeiten eingestellt und damit den Zuschauer*innen Angst gemacht, die dem Brand weiter in aller Ruhe zuschauen wollten. Das Dach brannte nieder und machte mich heimatlos. Das Feuer griff auf die Dächer meiner Helfer*innen über, sie wurden ebenfalls heimatlos. Man durfte nicht mehr löschen, der Brand werde es schon richten. Feuerwehrleute werden ausgegrenzt.
Ich habe dann eine andere Unterkunft gefunden, mit Dach, aber ohne Heimat.

Ich mache einen Urlaub und verlasse meine neue Unterkunft, in der Hoffnung, den Brandgeruch für ein paar Tage verlieren zu können. Es gelingt. Ich komme in meine Unterkunft zurück, rieche, und muss mit Tränen in den Augen realisieren: Ich bin heimatlos.
Was liegt im Briefkasten? Post von Rechtsanwälten des staTThus Wohnprojekt.

Michael Graf

 

Zur Erläuterung: Die Feuerwehr wurde in unserem ehemalig gemeinsamen Grundgerüst genau beschrieben. Es wurde auch beschrieben, wann sie zum Einsatz kommen sollte. In der Präambel der Teilungserklärung, als Gemeinwesen entschieden, steht es unmissverständlich drin.

Die genannte Mediation wurde zusätzlich in einem systemischen Konsens als notwendig entschieden. Sie fand nicht statt.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich will dort nicht mehr leben, ich will nicht zurück. Das liegt nicht an einem eventuellen Versagen der ehemaligen Grundidee, nach der viele andere Projekte erfolgreich leben.

Es gibt Grenzen

Ein Hinweis an dieser Stelle: Es geht hier um ein Beispiel, an welchem eine Grenze deutlich gemacht werden soll. Konflikte sollen offen angesprochen werden können. Die Art und Weise, wie diese Konflikte angesprochen werden, ist direkt damit verbunden, wie lange man diese Konflikte für sich behält und der Druck im eigenen Kessel größer wird. Eine Gemeinschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Konflikte so bespricht, dass es keine Risse gibt, keine Schuldzuweisung. Für den Druck im eigenen Kessel ist man zunächst ausschließlich selbst verantwortlich, nicht die Gemeinschaft.

Dieses Beispiel habe ich gewält, weil man hier ganz genau sehen kann, was eine Gemeinschaft nicht tun darf und es soll eine Hilfe sein, was man tun kann, wenn eine Gruppe in die Nähe einer solchen Eruption gerät: STOP, könnte ein vereinbartes Zeichen sein, oder TIMEOUT. Es muss gewährleistet sein, dass dieses Zeichen eine sofortige Pause des Plenums bedeutet und nicht die Gesprächsleitung darüber entscheidet, ob eine Pause eingelegt wird. Das dieses Zeichen nicht inflationär zur Anwendung kommen sollte, ist auch zu bedenken. Wenn die Gesprächsleitung in eigener Sache etwas zum Gespräch beitragen will, muss sie sich zu Wort melden (so wie es die jeweils erarbeiteten Regeln (Rednerliste) festlegen). Wenn man weiß, dass man selbst Druck auf dem Kessel hat, gibt man die Gesprächsleitung ab.

Erzeugung der Gerechtigkeit

Am 4.3.2020 wurden in einer Sitzung des Plenums vier Mitglieder der staTThus eG, ohne jede Vorwarnung, diffamiert, diskreditiert und bloßgestellt. Diese vier Menschen sollten die Verantwortung für alles tragen, was wohl als schlecht eingestuft wurde. Aber von wem?
Wir hatten inzwischen in jahrelanger Erfahrung genau herausgefunden, dass es Grenzen gibt, die nicht überschritten werden dürfen. Dazu gehört unmissverständlich, dass die Gesprächsleitung das Gespräch leitet und sich selbst weitestgehend zurückhält.

Die/der Gesprächsleiter*in informierte über eine Änderung der Tagesordnung "aus gegebenem Anlass". Das Plenum wurde nicht gefragt, ob es eine Änderung der Tagesordnung OK findet, ein Einwand dazu verhallte. Die Tagesordnung darf allerdings nur das Plenum ändern, eigentlich. Die/der Gesprächsleiter*in erklärte, dass sie/er in der Folge auf die, gerade in drei externen Workshops erlente, gewaltfreie Kommunikation ausdrücklich verzichten werde.

Die/der Gesprächsleiter*in fällte zunächst ein Urteil (so sehe ich es): "Vier Genoss*innen sind gleicher als gleich, das ist nun mal so". Zwei dieser vier Mitglieder waren nicht ein mal anwesend. Es wurden in einem Monolog der Gesprächsleitung Gründe für das Urteil (so sehe ich es) vorgetragen:

  • Wir vier Mitglieder hätten eine Familie eingeladen, die sich das Wohnprojekt ansehen wollte. Das habe man ohne Erlaubnis der Gemeinschaft getan.
    Dazu ist zu sagen, dass eine Besichtung des Projektes keiner Erlaubnis bedarf. Es gab einen aktuellen Anlass für diese Besichtigung, denn eine Wohnung einer Einzeleigentümer*in stand zum Verkauf.  Eine Einladung zur Besichtigung haben sehr wahrscheinlich schon alle Genoss*innen schon ausgesprochen, was ist also daran falsch? Wir vier Mitglieder, die diese Familie eingeladen hatten, hätten keine Chance gehabt, die Familie an den Regularien des Aufnahmeverfahrens vorbei in das Projekt zu holen. Daher sei die Frage erlaubt, wo hier der Fehler liegt.

  • Es gab schon zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit, diesen Monolog zu unterbrechen. Im Gegenteil, es wurde gesagt, die Gesprächsleitung dürfe dies und ein direkter Hinweis, dass so unweigerlich die dritte extern begleitete Mediation kommen müsse, wurde ignoriert.
    Es ging nicht darum, die diffusen Herleitungen zu diskutieren. Eine Diskussion fand eben nicht statt.
    Die Gesprächsleitung fuhr fort:

  • Wir würden es erlauben und ermöglichen, dass eine Genoss*in nicht zum Plenum kommen brauche.
    Dazu ist zu sagen, dass es tatsächlich so ist, dass eine/r der vier verurteilten (so sehe ich es) Genoss*innen schon eine ganze Weile nicht mehr zum Plenum kam. Allerdings war die Familie der/des Genoss*in immer bestens im Plenum vertreten. Es gab zu diesem Zeitpunkt beispielsweise ein Mitglied, welches kurze Zeit später in den Vorstand der Genossenschaft eintrat, welches bei den letzten 24 Sitzungen des Plenums 21 mal nicht dabei war. Daher war diese Urteilsbegründung eher eine Wahrnehmungsstörung, so wie ich es sehe. Wie sollen wir eine Erlaubnis gegeben haben und wofür, wenn es doch alle so handhaben, dass zumeist keine 50 % Anwesenheitsquote erreicht wird. Ich war immer da, nur im Urlaub nicht und bei Erkrankung.

  • Wir seien für allen Druck innerhalb des Projektes verantwortlich, insbesondere für die ständigen Veranstaltungen, die man mit durchführen müsse. Tag des offenen Denkmals, Sölmsmoktmarkt und so weiter...
    Dazu ist zu sagen, dass aus dem Kreise der vier Verurteilten tatsächlich viele Vorschläge für Veranstaltungen kamen und diese Genoss*innen auch persönlich viel Energie in die Durchführung dieser Veranstaltungen investiert hatten. Die Veranstaltungen wurden ohne Ausnahme im Plenum im Konsens beschlossen. Eine wichtige Begründung für diese öffentlichen Veranstaltungen war die angespannte Kasse des Hausvereins und tatsächlich haben die Veranstaltungen stets mit einem Plus abgeschnitten. Eine weitere Begründung für öffentliche Veranstaltungen war die Außenwirkung des Projekts, weil hochtrabende Ideen zu einem "Quartiersmanagement" laut Konzept sowieso unerreichbar geworden waren. Es ging natürlich um das jeweilige Engagement für "unsere" Veranstaltungen, aber diese Frage beschränkte sich nicht auf die Veranstaltungen sondern war ein Dauerthema, welches für viele Genoss*innen interessant war. Nun wurde der Eindruck erweckt, nur vier der Genoss*innen seien in dieses Thema involviert. Tatsächlich war das Thema "Selbst" in Selbstverwaltung und Selbstbestimmt ambivalent: Natürlich hätten wir viele Dinge auch nach Außen vergeben können, aber sollte das bezahlen? Darauf gab es keine Antwort. Was wohl viel wichtiger war, als das Geld, das war die Idee hinter dem Selbst: Wir wollten uns bei dem Selbst auch kennenlernen, weil das ein wesentliches Merkmal eines Wohnprojektes ist. Dachte ich jedenfalls. An dem Thema waren wir in extern begleiteten Workshops auch gerade dran und daraus hätte auch etwas für uns alle herauskommen können. Dieser Prozess war nun gewaltsam beendet worden.

  • Finale der Gesprächsleitung: Die vier Genoss*innen seien dafür verantwortlich, dass eine Familie das Wohnprojekt verlassen wolle und nun werde das Wort an die Familie übergeben.
    Dazu ist zu sagen, dass es tatsächlich Probleme im Umgang eines Genossen aus der Familie mit einigen anderen Genoss*innen, und wohl auch umgekehrt, gab. Die von der Familie ausgewählten Gesprächspartner waren immer die jeweiligen Vorstände. Alleine dies war für mich ein schlechtes Zeichen. Dazu gab es einige Treffen mit den damaligen Vorständen und beiden Genoss*innen, weil es galt, Mißverständnisse auszuräumen. Der Eindruck, dass diese Mißverständnisse ausgeräumt wurden, täuschte offensichtlich. Es gab vor dem Plenum am 4.3.2020 eine außerplanmäßige Sitzung des Plenums, in welcher die Genoss*innen aus der Familie ihre Sicht ausführlich darstellen konnten. Ein positives Ergebnis: Eine Genoss*in hatte sich, am Ende dieser Sitzung entschuldigt. Wieder war der Eindruck, dieses Thema sei nun für alle Beteiligten beendet, ein Trugschluss. Das Thema gärte offensichtlich weiter, nur hat mit mir niemand wieder dazu Kontakt aufgenommen. Andere beteiligte Vorstände konnten sich wohl auch nicht mehr daran erinnern, dass sie wenige Stunden vor dem hier beschriebenen Plenum nicht gerade positiv über die Genoss*innen gesprochen hatten. Nun traten sie als deren Anwälte auf.
    Das Finale am 4.3.2020 wurde allerdings von den Genoss*innen aus der Familie erneut genutzt, diesmal auschließlich in Richtung der vier bereits als "Gleicher als Gleich" verurteilten vier Genoss*innen. Was haben denn die anderen Gesprächspartner getan, die sich um das Thema gekümmert haben? Was ist mit den anderen zwei Vorständen, die damals Gespräche geführt hatten? Hatten die nun nichts mehr mit der alten Sache zu tun? In diesem Problemkreis ist nie eine Entscheidung gefallen, nach der sich die Familie hätte richten müssen. Es gab eine Beratung, mehr war es nicht, und die Familie hat die Entscheidung, wie sie sich verhalten möchte, selbstbestimmt getroffen. Es war wohl noch viel Frust übrig geblieben, allerdings wurde auch dies wieder nicht im Gespräch gelöst, sondern jetzt, in dem Plenum der Verurteilung (so sehe ich es). Hier sollte der Frust gerichtet abfließen?
    Mein Eindruck ist, dass sehr viele Mitglieder schon vor dem Plenum wussten, das die Familie aus dem Wohnprojekt ausziehen wird. Ich wusste davon nichts.


In dem nächsten, und für mich letzten Plenum eine Woche später, hatte ich eine/n Genoss*in aus der Familie gefragt, ob ich für deren Entscheidung, das Wohnprojekt verlassen zu wollen, verantwortlich sei. Die Antwort war dann: Nein. Daraufhin hätte zumindest in diesem Plenum, die vorherige Gesprächsleitung eine Entschuldigung bei den vier Verurteilten versuchen müssen. Dies blieb aus. Solidarität und Gemeinwohl sieht für mich anders aus.

Nach dem Plenum vom 4.3.2020, habe ich wochenlang darauf gewartet, dass es einen Versuch der Minderung der Gewalt der ausgesprochenen Worte geben könnte. Es passierte nichts. Isolation statt Gespräch.
Zuvor war bei jeder Auseinandersetzung, aus dem Plenum heraus, eine Schlichtung versucht und dazu Gesprächspartner ausgewählt worden, die einen Besuch mit einem Gespräch erfragen sollten. Bei mir nicht. Wenn jemand cholerisch an die Decke geht, auch drei mal im gleichen Plenum, dann schon, jedoch nur wenn man denn zu den "wir" gehört...

Denn in der Folge gab es ein "Wir" und ein "Ihr".

  • "Wir" waren die Genoss*innen, die nicht zu den vier Verurteilten (so sehe ich es) gehörten
  • "Ihr" waren die vier Verurteilten (so sehe ich es)

Wer die Spaltung benannte, gehörte ohne eine weitere Frage zu den "Ihr", auch wenn keine Partei ergriffen wurde, sondern Fragen zu den Geschehnissen gestellt wurden. Innerhalb kurzer Zeit waren zwei weitere Partien zu den "Ihr" eingeteilt worden. Von wem, muss man hier fragen. Es geschah von der Mehrheit der Genos*innen, die Minderheit zählte nicht mehr dazu. Die Minderheit wurde unter harte Ausgrenzung gestellt. Wer stellt unter diesen Umständen noch Fragen zu der Spaltung, wer wagt es, sich zu äußern? Andersherum wurde den "Ihr" mit dem Ausschluss aus der Genossenschaft gedroht.

Dennoch kam von den vier verurteilten (so sehe ich es) Genoss*innen noch der klar geäußerte Wunsch nach einer Mediation. Die Verurteilten hatten den Eindruck, zumindest ihre Wohnungen weiter bewohnen zu können, wenn eine extern begleitete Mediation die Wunden zu schließen vermag. Dazu gehörte, eindeutig formuliert, die gemeinsame Erarbeitung einer neuen gemeinsamen Basis: Ein neues Konzept, neue Leitlinien mit offenem Ergebnis aber extern begleitet. Die Verurteilten (so sehe ich es) wollten sich nicht nochmals in die unbegleitete Situation begeben.

 



Warum gab es keine Mediation nach dem 4.3.2020?

Die Mediation wurde in unserem Verfahren systemisch konsensiert und wurde angenommen, hätte also durchgeführt werden müssen. In dieser Mediation hätten sich die Genoss*innen, die am 4.3.2020 in der Sitzung des Plenums anwesend waren, sich dazu äußern können und letzten Endes auch müssen. Eine Mediator*in hätte versucht, dies aufzuarbeiteten. Es gab keine Mediation, auch als der Schaden offensichtlich wurde. Das Ergebnis war die Entscheidung von 7 Genoss*innen, das Wohnprojekt zu verlassen.  Ich denke, dass sich die verbleibenden Genoss*innen dann erhofften, die Gerechtigkeit und Einigkeit könne so erzeugt werden. Tiefe Gräben, Ausgrenzung und sprachliche Entgleisungen wurden zur Normalität. Mitgliedern, die nur noch das Ziel hatten, ausziehen zu wollen, wurde im internen BLOG mit dem Ausschluss aus der Genossenschaft gedroht, ohne eine Bitte der verbleibenden Genoss*innen, zumindest diese Drohungen zu unterlassen. Auch nach Außen wurden zuvor gemeinschaftlich getroffene Entscheidungen nun als das Werk der Ausgegrenzten dargestellt.

Das, von mir vermutete, einigende Ziel: die erhoffte Erzeugung der Gerechtigkeit, schweißt die "Gruppe" zusammen. Es geht also nicht mehr um die Meinung der als "ihr" und "wir" bezeichneten, es geht um den Menschen selbst, "der Geschichte sein wird".
Für mich ist dies der größtmögliche Schaden eines Wohnprojektes und nach meiner Ansicht beschreibt dies eine "feindliche Übernahme" eines gemeinsam ehemals als gültig angesehenen Konzeptes eines basisdemokratischen und "linken" Wohnprojektes.

Fragen an die "damaligen Genoss*innen Wir", die vorgeblich "19, die sich noch einig sind":

Warum hat keine/r von euch einfach mal gesagt, dass sie/er das Projekt anders haben wollen (grundlegend anders) und zwar vor dem 4.3.2020? Also nach dem Motto: "wir möchten die Idee einer Gleichberechtigung ohne hierarchische Struktur nicht mehr, weil wir sie für eine Illusion halten". Oder: "uns ist das so zu anstrengend, kann dies nicht bitte der Vorstand plus x entscheiden?". Oder...

Wenn vor diesem Plenum klar gewesen wäre, dass eine überwiegende Mehrheit damit zufrieden ist, wie es jetzt nach der von mir so genannten "feindlichen Übernahme" läuft, dann wären diejenigen Genoss*innen, die jetzt ausgezogen sind, auch ausgezogen. Sie hätten dies jedoch in einer Mediation herausfinden können. Dies wäre für alle Mitglieder eine Lösung gewesen, mit der man auch einen Frieden machen hätte machen können. Eine Mediation fand nicht statt.

Es wurden vor dem beschrieben Plenum die Konfliktthemen nicht im Plenum geäußert, sondern irgendwo gesammelt, vermutlich bei WhatsApp, im Treppenhaus, in Nebenplena oder im Flur. Die Schuldzuweisung an vier Genoss*innen war der Dammbruch dieser Sammlung und dieser Bruch wirkt weiter. Das, von mir vermutete, schlechte Gewissen ist die Energiequelle für alles Folgende.

Warum wurde gesammelt, warum nicht kommuniziert? Warum wurde nach Außen eine Einheit beschworen, die es Innen nicht gab? Diese Frage sollten die "Wir" klären und verarbeiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich sonst eine weitere Spaltung erfüllt, halte ich für groß. Die erzeugte Einigkeit ist fragil, die tatsächlichen Probleme sind nicht gelöst. Es kam nur ein weiteres Problem hinzu: die Spaltung.

Nun beschließen, außerhalb des Plenums, diejenigen, die kurz zuvor als vermeintlich "Gleiche" anderen Mitgliedern vorgeworfen hatten, sie seien "Gleicher als Gleich". Sie rechtfertigen dies mit ihrem Amt als Organe, welches sie nur deshalb innehaben, weil das Plenum ihnen einen Auftrag zur Verwaltung der eG gegeben hat (nur die Verwaltung). Dies war eine klare Vereinbarung, mehrmals im Plenum, auch von mir, herausgestellt: Alle Genoss*innen sollten gleichberechtigt sein.