schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten

Das Verfahren bei schwerwiegenden Meinungsverschiedenheiten hatte das Plenum der Genoss*innen per Beschluss festgelegt: Jede Genoss*in hat das zugesicherte Recht, im Plenum eine extern begleitete Mediation zu erbitten und diese auch zu bekommen, gerne mit Angabe des Grundes, aber auch ohne diese Angabe. Es gab zuvor, mit anderen Themen, bereits zwei Mediationen, in denen jeweils erfolgreich eine Lösung der scherwiegenden Meinungsverschiedenheiten erarbeitet wurde.

Selbst die Präambel der Teilungserklärung der "WEG staTThus Wohnprojekt" enthält auf der Seite 4 eine abschließende Formulierung ebendieser:

Bei wesentlichen Meinungsverschiedenheiten soll dabei eine Mediation als Ausdruck
einer gemeinsam gefundenen Lösung einer endgültigen Entscheidung vorangehen.

Eine dringend notwendige Mediation wurde trotz eindeutiger Entscheidung, im systemischen Konsensieren, nicht durchgeführt. Wer hat entschieden, dass es keine Mediation nach den offensichtlich vorliegenden wesentlichen Meinungsverschiedenheiten gab? Wer hätte dies entscheiden müssen, in einem zu dieser Zeit als basisdemokratisch geltenden Projekt mit Entscheidung im Konsens? Nur die Basis. Die Basis hatte entschieden, die Mediation durchzuführen. Im Verlauf dieser Mediation hätte der dynamische Prozess einer wesentlichen Veränderung beginnen können.

 

 

Eine Sitzung des Plenums am 4.3.2020 war eine schwere Erschütterung

Ab hier gab es, ohne Frage, eine offen zu Tage getretene wesentliche Meinungsverschiedenheit. Diese Meinungsverschiedenheit wurde konkret benannt, in vielen Kommentaren im internen Infosystem. Gespräche gab es kaum noch, zwischen den sogenannten "Seiten". Die Auseinandersetzung verlief nun schriftlich (Corona als ein Grund, Unbehagen bei physischen Begegnungen ein Zweiter) und mit vielen Verletzungen.
Wie ist es möglich, dass eine Gruppe sich das Recht herausnimmt, eine wesentliche Meinungsverschiedenheit zu ignorieren und die Grundzüge "ihres Wohnprojektes", gegen den erklärten Willen einer als Minderheit eingeschätzten anderen Gruppe, durchzusetzen? Gehört nur einer Gruppe, die sich gerade als Mehrheit betrachtet, dieses Wohnprojekt staTThus und darf diese Mehrheit entscheiden, dass eine Minderheit den Einfluss auf die Ausgestaltung komplett verliert? Dieser Wendepunkt erfolgte wohl mit einer Abstimmung, "die nicht stattfand". Man zählte im Sinn die Stimmen zusammen und weil es mehr waren, als 50 %, ging es los. Das Plenum am 4.3.2020 war nach meiner Meinung der Start der Abstimmung außerhalb des Plenums, obgleich im staTThus nicht abgestimmt wird (und alle Genoss*innen diesen Grundsatz aus ihrem Aufnahmeverfahren in die Genossenschaft kennen).


Warum hat kein Mensch einfach mal gesagt, dass sie/er das Projekt anders haben wollen (grundlegend anders) und zwar vor dem 4.3.2020? Also nach dem Motto: "wir möchten die Idee einer Gleichberechtigung ohne hierarchische Struktur nicht mehr, weil wir sie für eine Illusion halten". Oder: "uns ist das so zu anstrengend, kann dies nicht bitte der Vorstand plus x entscheiden?" Nicht einmal in dieser Sitzung wurde überhaupt ein Ziel formuliert, wie denn weiter vorgegangen werden solle. Es gab lediglich Vorwürfe an zwei anwesende und zwei nicht anwesende Mitglieder der Genossenschaft, sie seien "Gleicher als Gleich" und die zwei anwesenden Mitglieder der staTThus eG haben nach den ersten Vorwürfen sofort gesagt, dass so eindeutig die nächste Mediation kommen müsse. Dennoch nahm diese Sitzung des Plenums weiter ihren desaströsen Verlauf. Das nächste Plenum zementierte das Desaster: Verletzungen aus dem Plenum vom 4.3.2020 seien Pseudogefühle und damit zurück zur Tagesordnung.

Die jetzigen Bedingungen, nach der Spaltung einseitig festgelegt, wurden nicht in einem dynamischen Prozess von allen Genoss*innen zusammen gestaltet, sondern von einer Mehrheit, der es um die Mehrheit ging und dabei eine Minderheit ausgegrenzt hatte. Eine Mehrheit fühlt sich dabei im Recht, die zuvor gemeinsam erstellten Regeln der Basisdemokratie und des Konsens zu "modifizieren": Jedes einzelne Mitglied konnte genau wissen, dass es sich um ein basisdemokratisches Wohnprojekt handelt, in dessen konkreten Handeln es keinen Unterschied zwischen Vorstand und einer gemeinen Genoss*in, zwischen einer/m Eigentümer*in oder Bewohner*in einer öffentlich geförderten Wohnung geben sollte. Diese Festlegung haben die Gründer*innen des Wohnprojektes getroffen und eine Veränderung dieser Festlegungen kann geschehen, jedoch ausschließlich in einem gemeinsamen Prozess. Dieser Prozess hat nicht stattgefunden. Warum?