staTThus sucht den Superstar

Kann Gerechtigkeit erzeugt werden? Diese Frage kam im Projekt auf, nachdem es realisiert worden war. Die Bewohner*innen hatten sich so weit sortiert (allerdings brauchten viele noch etwas Zeit, um ankommen zu können). Nun gab es einerseits sehr schöne Abschnitte (Frühstück im Garten), andererseits die Realität mit teils verstörenden Erkenntnissen. Es ging um die persönlichen Ansprüche, oder auch gerade um deren Abwesenheit, und deren Auswirkungen auf die Gemeinschaft, wenn die Ansprüche durchgesetzt werden sollen. Es ging darum, etwas mehr Gerechtigkeit zu bekommen, was das Selbst in Selbstverwaltet und Selbstbestimmt anbelangt. Und es ging darum, ob man in einem Wohnprojekt richtig aufgehoben ist, wenn man "nur wohnen" möchte oder, positiv ausgedrückt, ob man nicht die Chance als angenehm empfinden kann, bei der gemeinsamen Arbeit an dem Selbst die Mitglieder besser kennen lernen zu können.
Wir hatten uns dabei Hilfe geholt, mit einer externen Begleitung in Workshops (keine Mediation), und wir dachten, die Gruppe sei stark. Es gab bereits drei Workshops zur gewaltfreien Kommunikation und zum Konsensieren, zuvor mehrere selbst organisierte Veranstaltungen zum Thema. Der Umgang mit dem Konsensprinzip war in Bewegung. Ich hatte den Eindruck, dass es zwar Probleme gab (Baukosten zu hoch, zu viel Arbeit musste erledigt werden, ungleichmäßig verteiltes Engagement), dies aber verkraftbar sei.

Es gibt Grenzen

Ein Hinweis an dieser Stelle: Es geht hier um ein Beispiel, an welchem eine Grenze deutlich gemacht werden soll. Konflikte sollen offen angesprochen werden können. Die Art und Weise, wie diese Konflikte angesprochen werden, ist direkt damit verbunden, wie lange man diese Konflikte für sich behält und der Druck im eigenen Kessel dadurch größer werden kann. Eine Gemeinschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Konflikte so bespricht, dass es keine Risse gibt, keine Schuldzuweisung. Für den Druck im eigenen Kessel ist man zunächst ausschließlich selbst verantwortlich, nicht die Gemeinschaft. Alle haben sich gewünscht, dass auch die Erkenntnisse aus den extern begleiteten Workshops mit einfließen, alle Entscheidungen wurden auch bisher im Konsens getroffen. Wir waren gerade auf dem Weg zu einem verbesserten Konsens: Systemisches Konsensieren

Dieses Beispiel habe ich ausgesucht, weil man hier ganz genau sehen kann, was eine Wohnprojekt-Gruppe nicht tun darf. Dieses Beispiel soll eine Hilfestellung dazu sein, was man tun kann, wenn eine Gruppe in die Nähe eines solchen Verhaltens gerät. Ein Zeichen muss vereinbart werden: STOP, könnte ein vereinbartes Zeichen sein, oder TIMEOUT. Dies soll davor schützen, eine Verletzung zu begehen (was ja auch nicht schön ist) oder zu erfahren. Es muss gewährleistet sein, dass dieses Zeichen eine sofortige Pause des Plenums bedeutet und nicht die Gesprächsleitung darüber entscheidet, ob diese Pause eingelegt wird. Wenn die Gesprächsleitung in eigener Sache etwas zum Gespräch beitragen will, muss sie sich zu Wort melden (so wie es die jeweils erarbeiteten Regeln (Rednerliste) festlegen). Wenn man weiß, dass man selbst Druck auf dem Kessel hat, gibt man die Gesprächsleitung ab. Die Gesprächsleitung darf die Tagesordnung nicht alleinentscheidend verändern.

Gewaltfreie Kommunikation: Modus aus

Am 4.3.2020 gab es die wöchentliche Sitzung des Plenums. Es gab eine Tagesordnung, von der wie immer nur dann abgewichen werden kann, wenn das Plenum dies zulässt.

Die/der Gesprächsleiter*in informierte: Aus gegebenem Anlass werde die Tagesordnung geändert. (Das Plenum wurde nicht gefragt, ob es eine Änderung der Tagesordnung OK findet, mein Einwand dazu verhallte.) Die/der Gesprächsleiter*in erklärte, dass sie/er in der Folge auf die, gerade in drei externen Workshops erlernte, gewaltfreie Kommunikation ausdrücklich verzichten werde.

Hier werde ich möglichst nicht auf konkrete Zitate oder Vorwürfe eingehen. Die Beschäftigung damit erbringt hier keine Erkenntnisse, ist eher eine Ablenkung vom entscheidenden Punkt und geht Außenstehende auch teils nichts an. Was ich hier versuche, ist eine Analyse der Sprache. Es gelingt mir sicherlich nicht sehr gut. Den Einstieg in die längere Vorrede der Gesprächsleitung liefere ich hier als Zitat:

"Vier Mitglieder sind gleicher als gleich, das ist nun mal so."

Eine Feststellung der Gesprächsleitung im Plenum, praktisch die erste Äußerung dort.

Hier ging es also nicht darum, ein Anliegen zu formulieren, beispielsweise "ich sehe, dass die Mitglieder W hier im Projekt X tun und das macht mit mir Y und möchte daher die Mitglieder W bitten, in Zukunft Z zu tun." Es wurde gerade nicht diskutiert, ob sich diese Mitglieder über die Gemeinschaft erheben, sondern dies als Tatsache vorangestellt, dass sie dies tun.*4

Beispiel aus einer anderen Welt: Aussage in einem Leserbrief einer Zeitung: Wenn sich die örtliche BUND-Gruppe zuvor an die Gemeinde X gewandt hätte, wäre dieser Schlamassel nicht entstanden. Aussage des Satzes ist demnach: Die BUND-Gruppe hat sich nicht an die Gemeinde gewandt. Ob dies wirklich so ist, tritt in den Hintergrund. Der Schlamassel ist da, der BUND ist Schuldig. Wenn zuvor ein Gespräch zwischen dem Leserbriefschreiber und dem BUND stattgefunden hätte, wüsste der Schreiber, dass sich der BUND sehr wohl zuvor mit der Gemeinde in Verbindung gesetzt hat. Dies wissen jedoch die Leser*innen des Leserbriefs nicht, die nun den Schuldigen kennen: den BUND, der zuvor etwas unterlassen hatte.

Diese sprachliche Analyse wird sehr verständlich in der Buchempfehlung erläutert und anhand vieler Beispiele deutlich gemacht.

Weiter in der Einleitung der Gesprächsleiter*in: Die Mitglieder Y und W hätten eine Familie X vorteilnehmend eingeladen, an der Gemeinschaft vorbei, die Mitglieder Y und W erhöben sich über die den erklärten Willen Z der Gemeinschaft.*²
Eine Feststellung der persönlichen Vorteilnahme in einem vorangestellten Satzteil und das Resultat im Hauptsatz. Eine versteckte Verurteilung (Vorteilnahme), gefolgt von der Beurteilung, wie sich dies objektiv auswirken würde. Hängen bleibt die Verurteilung. Man braucht es nur oft genug wiederholen, irgendetwas bleibt hängen.

Weiter ging es in der Sitzung des Plenums mit ähnlichen "Feststellungen", deren Analyse ich uns erspare, alles nach dem beschriebenen Muster.

Noch immer in der "Einleitung" der Gesprächsleitung: Vier Mitglieder (die gleicheren Mitglieder) sind mit den Eigenschaften X, X, X ausgestattet, die Gesprächsleitung übergäbe nun das Wort an Familie Y, weil Familie Y nun deshalb aus dem Wohnprojekt auszöge.

Erster Redebeitrag im Plenum, nach der Einleitung der Gesprächsführung: Familie Y stellt fest, die vier Mitglieder hätten X, X, X, getan und jetzt würden sie (Familie Y) deshalb aus dem Projekt ausziehen.

Ob die besagten vier Mitglieder X getan haben, oder nicht, in welchem Zusammenhang das zu sehen ist und ob der Zustand der Familie irgendetwas mit dem Wohnprojekt zu tun hat oder mit sich selbst, Allen oder Teilen der Bewohner*innen, wurde nicht hinterfragt. Eine Diskussion fand nicht statt. Eine Feststellung aufgrund von Vermutungen, die vorgeblich unvermeidliche Konsequenz als Tatsache und Schuldigkeit der vier Mitglieder, der "Gleicheren". *5 Zuvor kein Versuch, eine Änderung des vorgeblich ausschlaggebenden Verhaltens der vier schuldigen Mitglieder zu erreichen. Die Entscheidung präsentiert und vier! Schuldige gefunden.

Viele weitere Mitglieder meldeten sich nun zu Wort: Die vier Gleicheren seien für alles verantwortlich, [was als nicht angenehm empfunden wurde]:  Zu viel Druck, Arbeit, Desorganisation, Termine, die dauernden Veranstaltungen*6,der Quartierkram, Wohnprojekt zu teuer, Planung finanziell unsicher... Für alle diese Punkte waren nun nur die vier Mitglieder zuständig, sie wurden direkt angesprochen (zwei dieser Mitglieder wurden in Abwesenheit verantwortlich gemacht), die zwei anwesenden Mitglieder waren Schuldige. Immer wieder die Schuldigen. Eine Diskussion fand nicht statt.

Alle Konflikte waren nun das Werk dieser vier Mitglieder. Die anderen ca. 18 anwesenden Mitglieder hatten zwar zuvor alle Entscheidungen im Konsens mit getroffen, waren nun aber frei von Verantwortung. So einfach war plötzlich die Welt. Dominante Mitglieder haben andere zu Verführten gemacht, so konnte man keine Verantwortung haben. Insbesondere einer der Vier, war nun besonders Schuldig. Wenige Tage zuvor war man noch froh, dessen bester Freund zu sein (was so nie war), es war nun, irgendwie, anders geworden. Diskreditiert, diffamiert und ab diesem Zeitpunkt im besten Falle nicht mehr beachtet. Es gab keinen einzigen Versuch, diesen Zustand irgendwie heilen zu wollen. Man hatte sich entschieden, offensichtlich. Was dies im Effekt bedeuten wird, ob dies den Menschen klar war, was hier passiert ist, hätte in einer Mediation zu den Themen mit dazu gehört.

Es gab in diesem Plenum nur von einem einzigen anwesenden Mitglied (außer den vier Schuldigen) die Einschätzung, dass dieses Vorgehen keine Ansätze zu einer Lösung von Konflikten darstellen würde, sondern lediglich diffamiere und die Situation eindeutig verschlimmere. Im weiteren Verlauf hat auch dieses Mitglied das "Wohnprojekt" verlassen.

 

Ende des Sitzung des Plenums vom 4.3.2020, spätestens ab hier eine persönliche Bewertung der Ereignisse

staTThus sucht den Superstar

Es ging zu keinem Zeitpunkt darum, Konflikte zu lösen. Es ging ausschließlich um eine Schuldzuweisung. Enthemmte verbale Gewalt (so sehe ich es) soll nun als Ehrlichkeit gelten. Einige Tage später wurde gesagt, nun habe man jedenfalls darüber gesprochen. staTThus sucht den Superstar? Vier Kandidaten gibt es, fast alle anderen Mitglieder sitzen in der Jury?

Mir bleibt die offene Frage: Wer alles wusste bereits vor dem Plenum am 4.3.2020, dass Familie Y ausziehen wird?

Gewaltfreie Kommunikation: Modus an?

In dem nächsten Plenum, eine Woche später, hatte ich einer/m Genoss*in aus der Familie Y eine Frage stellen dürfen: ob ich für seine Entscheidung, das Wohnprojekt verlassen zu wollen, tatsächlich verantwortlich sei. Die Antwort war dann: Nein.
Daraufhin hätte zumindest in diesem Plenum, ein Mensch eine Entschuldigung bei den vier Verurteilten formulieren können, oder irgend etwas, was als das reichen einer Hand interpretiert hätte werden können. Dies blieb aus. Solidarität und Gemeinwohl sehen für mich anders aus. Mein Hinweis auf die Verletzungen aus dem Plenum vom 4.3.2020 wurde als Pseudogefühl der Gesprächsleitung gemeldet und so als für unzulässig befunden. Das Pseudogefühl ist ein Begriff aus der gewaltfreien Kommunikation und beschreibt einen empfundenen Zustand, sozusagen. Die Verletzung ist dann etwas, was in meinem Kopf passiert, die tatsächlich ausgelösten "echten" Gefühle sind nicht richtig benannt. Also: die gewaltfreie Kommunikation ist wieder eingeschaltet, das wusste ich nicht, weil mir das niemand gesagt hat. Es solle nicht mehr um Befindlichkeiten gehen, war die Entscheidung dieses mal. Es wurde zur Tagesordnung gerufen.
Ein Mitglied berichtete nun davon, dass mein jetzt erklärter Rückzug aus sämtlichen Tätigkeiten in der "Gemeinschaft" ihr Angst mache. Angst ist auch ein Pseudogefühl. An dieser Stelle nicht gemeldet und beanstandet.

Es ist nun vorbei. Argumente sind sinnlos, wenn niemand zuhört. "Perlen vor die Säue", sagt man hier im Norden. Es gibt kein Zurück mehr, wird mir später klar. Schuldig. Die einzige Hoffnung war nun eine extern geleitete Mediation, auf die es ein unbedingtes Anrecht gab, da konnte man sich ganz sicher sein, dachte man. (Ausblick:  Wir zwei Menschen haben dann monatelag auf einem Campingplatz in der Nähe gelebt und im August das Projekt verlassen.).

Dies war mein letztes Plenum, zunächst wegen Corona (es ging im internen BLOG als Ersatz-Plenum weiter), dann aus anderen Gründen.

Nach dem Plenum vom 4.3.2020, habe ich, mit meiner Lebenspartnerin zusammen, wochenlang darauf gewartet, dass es einen Versuch der Minderung der Gewalt der ausgesprochenen Worte geben könnte, irgendein Kontakt. Es passierte nichts. Isolation statt Gespräch. Ausgrenzung.
Zuvor war bei jeder Auseinandersetzung, aus dem Plenum heraus, eine Schlichtung angelaufen und dazu Gesprächspartner ausgewählt worden, die einen Besuch mit einem Gespräch erfragen sollten. Bei mir nicht.
Wenn jemand cholerisch an die Decke geht, auch drei Mal im gleichen Plenum, dann wurde eine Gesprächspartner*in beauftragt. Nun nicht, nur dann, wenn man noch zu den "wir" gehört...
Ich habe noch eine ganze Reihe von Kontaktversuchen gestartet, keine Reaktion.

Denn in der Folge gab es ein "Wir" und ein "Ihr".

  • "Wir" waren die Genoss*innen, die sich als die geeinigte Gemeinschaft ansahen.
  • "Ihr" waren die vier Verurteilten (so sehe ich es)

Wer die Spaltung als solche benannte, gehörte ohne eine weitere Nachfrage zu den "Ihr", auch wenn keine Partei ergriffen wurde, sondern lediglich Fragen zu den Geschehnissen gestellt wurden, weil man am Plenum nicht teilgenommen hatte. Innerhalb kurzer Zeit waren zwei weitere Partien zu den "Ihr" eingeteilt worden, per WhatsApp. Von wem, muss man hier fragen. Es waren "die Mitglieder, die sich noch einig sind", nach eigener Sprachregelung. Es geschah von der nicht mehr schweigenden Mehrheit der Genos*innen, die Minderheit zählte nicht mehr. Die Minderheit wurde unter harte Ausgrenzung gestellt. Wer von den "wir" stellt unter diesen Umständen noch Fragen zu der Spaltung, wer wagt es, sich zu äußern? Andersherum wurde den "Ihr" mit dem Ausschluss aus der Genossenschaft gedroht, als Ponyhof bezeichnet, als Kindergarten oder als "ehemaliger sehr dominanter Vorstand" bei "unserer" Hausbank diskreditiert. Das "Wohnprojekt" war am Abgrund angekommen. Der Abgrund war laut, nicht zu übersehen. Was macht eine Gruppe, die immerhin unter einem Dach lebt, an so einem Abgrund als Mindestübereinkommen: Man drückt mal auf Pause und denkt nach. Und man stellt sich einer Mediation, dies sollte das Mindeste dessen sein, was an Würde bleibt.

Von den Verurteilten (so sehe ich es) kam der klar geäußerte Wunsch nach einer Mediation. Die Verurteilten hatten den Eindruck, zumindest ihre Wohnungen weiter bewohnen zu können, wenn eine extern begleitete Mediation die Wunden versorgen könnte. [Sie hatten sich noch nicht getraut, über die Aufgabe der eigenen Wohnung nachzudenken]. Dazu gehörte, eindeutig formuliert von den Verurteilten: die gemeinsame Erarbeitung einer neuen gemeinsamen Basis: Ein neues Konzept, neue Leitlinien mit offenem Ergebnis aber extern begleitet. Die Mediation war ein Grundrecht in unserer "Gemeinschaft". 

Warum gab es keine Mediation nach dem 4.3.2020?

Die Mediation wurde in unserem Verfahren systemisch konsensiert und wurde angenommen, hätte also durchgeführt werden müssen. In dieser Mediation hätten sich die Genoss*innen, die am 4.3.2020 in der Sitzung des Plenums anwesend waren, sich dazu äußern können und letzten Endes auch müssen. Eine Mediator*in hätte versucht, dies so zu verarbeiteten, dass alle Mitglieder mit dem Erlebnis leben können. Es hätte auch ein schlechtes Gewissen verarbeitet werden können, welches es nach dem Verlauf der Sitzung am 4.3.2020 ganz sicher gab. Es gab keine Mediation, auch oder gerade nicht, als der Schaden offensichtlich wurde. Das Ergebnis war die Entscheidung von 7 Genoss*innen mit 4 Wohnungen, das Wohnprojekt zu verlassen.  Ich denke, dass sich die verbleibenden Genoss*innen dann erhofften, die Gerechtigkeit und Einigkeit könne sich nun ungehindert ausbreiten. Tiefe Gräben, Ausgrenzung und sprachliche Entgleisungen wurden zur Normalität. Mitgliedern, die nur noch das Ziel hatten, ausziehen zu wollen, wurde im internen BLOG noch mit dem Ausschluss aus der Genossenschaft gedroht, ohne eine Bitte der sich einigen Genoss*innen, zumindest diese sinnfreien Drohungen zu unterlassen. Auch nach Außen wurden zuvor gemeinschaftlich getroffene Entscheidungen nun als das Werk der Ausgegrenzten dargestellt. Nun gab es auch offiziell Schuldige.

Meine Bewertung, meine persönliche Vermutung: Das Ziel war: die erhoffte Erzeugung der Gerechtigkeit schweißt die "Gruppe" zusammen. Es geht also nicht mehr um die Meinung der als "ihr" und "wir" bezeichneten, es geht um den Menschen selbst, Zitat, "wir bleiben und du gehst und bist Geschichte" und auszieht. Die handelnden Personen werden (von einem Vorstandsmitglied) in Täter und Opfer eingeteilt, die Täter sind die Mitglieder, die ausgegrenzt werden. Opfer sind die Mitglieder, die nun aktiv ausgrenzen. Da gibt es auch kein Vertun mehr, wenn ein Opfer einen Täter namentlich und schriftlich benennt, wird dies als gut und angemessen angesehen, "ohne mit dem Finger auf jemand zu zeigen". Es gibt anscheinend keine Opfer, die auch mal Täter waren, oder Täter, die auch Opfer sein konnten. Die Einteilung in Täter und Opfer führt ins Aus.
Noch mal zur Erinnerung: Es geht hier um Konflikte in einem Wohnprojekt!
Für mich ist dies der größtmögliche Schaden eines Wohnprojektes und nach meiner Ansicht beschreibt dies eine "feindliche Übernahme" eines gemeinsam ehemals als gültig angesehenen Konzeptes eines basisdemokratischen und "linken" Wohnprojektes. Und es gibt kein Monitoring der "Opfer". Es gibt einen Rosenkrieg.

 

 Fußnoten, die ich hier abbilde, obwohl dies alles nicht zu verstehen ist (für Außenstehende)

*4 An dieser Stelle schon habe ich gesagt, dass so unsere dritte externe Mediation unweigerlich folgen werde und die Mitglieder, die schon lange dabei sind, diesen Wirkungskreis kennen würden. Sowohl der/die Gesprächsleitung als auch die/der Genoss*in X, die hier die Rednerliste führte, waren bereits Teilnehmer*innen einer Mediation, mit dessen Themen sie selbst zu tun hatten. Es wurde nun von X festgestellt, dass die Gesprächsleitung weiterhin dies so tun dürfe.*Fußnote

* Hinterher ist man immer schlauer. Dies war der Zeitpunkt, an dem mir hätte klar sein müssen: So kann die Gesprächsleitung gerne weiter machen, aber ohne meine Anwesenheit. Also aufstehen und weggehen, aber dies kann ja als Schwäche oder Eingeständnis gelten. Ich bin sehr ehrgeizig, leider. Unser Plenum war bisher auch ein halbwegs geschützter Ort, dachte ich. Sicherlich wäre ich nicht zur Sitzung gegangen, wenn ich etwas von deren Verlauf geahnt hätte. Ich wusste nichts von dem Ereignis, welches die Gesprächsleitung bereits kannte (der dem Vorstand mitgeteilte Auszug einer Familie). Es gab für mich keinen Hinweis zu der Entscheidung der Familie, nicht im BLOG, nicht per Mail, kein Gespräch).

*²: Bewerbungsverfahren, Dreiergespräch: Y hat X tatsächlich eingeladen, was ohne Frage schon alle Mitglieder gerne getan haben (andere Menschen zur Besichtigung einladen). Ob dies überhaupt in Zusammenhang mit einem persönlichen Vorteil gebracht werden kann, stand nicht zur Diskussion. Tatsächlich über diesen Punkt diskutierend, wäre nichts von der als Tatsache dargestellten Vorteilnahme übriggeblieben. Es gibt ein vom Plenum festgelegtes Bewerbungsverfahren, hier in Kurzform: Interessent*innen melden sich und werden um eine Kurzbewerbung gebeten. Falls möglich, verweist man auf den Stammtisch. Wenn die Chemie stimmt, ist ein "Dreiergespräch" zwingend vorgeschrieben: Mindestens drei Mitglieder befragen die Interessent*innen eingehender, was für Ziele sie haben, wie sie sich Gemeinschaft vorstellen... Wenn die Mitglieder aus dem Dreiergespräch eine Empfehlung aussprechen, beschließt das Plenum. Im Plenum gibt es ein Vetorecht für alle Mitglieder, gerne möchte man auch etwas zu den Gründen zum Veto hören, muss aber nicht sein. Dieses Bewerbungsverfahren kann kein Mitglied übergehen, auch Superstars nicht, eigentlich.
Erst nach dem 04.3.2020 kam es in mindestens einem Fall zu einem Bruch mit diesem Verfahren. Ein neues Mitglied wurde aufgenommen, ohne ein vorheriges Dreiergespräch. Das Dreiergespräch sollte hier nachgeholt werden.

*5 Was mich inzwischen nachhaltig verstörte: Es gab allgemeines Kopfnicken in der Runde zu diesem Verlauf des Plenums.

Einige Monate zuvor hatten wir versucht, einen Konflikt der Familie Y, ein Missverständnis dachten wir, zu lösen. Es gab viel Mailverkehr und einige Gespräche mit den drei damaligen Vorständen, die nur beratend tätig waren. Die Familie durfte etwas nutzen, was bei Menschen außerhalb des Projekts Kosten verursachte. Anscheinend haben diese Nutzer*innen nicht verstanden, dass sie für diese Kosten aufkommen hätten sollen, sie taten dies dennoch. Dem Grunde nach, hatte sonst niemand mit diesem speziellen Problem zu tun, jedoch strahlte dieses Problem in das "Wohnprojekt aus. Der Eindruck, dass dieser Konflikt nun so gelöst worden sei, dass man damit leben kann und Nutzen daraus zöge, trog. Die folgende Generation der Vorstände trat in diesem Zusammenhang zurück. Es gab sogar noch ein gesondertes Plenum zu diesem Konflikt, an dessen Ende auch Entschuldigungen ausgesprochen wurden. Der Konflikt schwelte anscheinend weiter, ohne dies zu kommunizieren. Im Nachhinein muss man hier sagen, dass der tatsächliche Punkt weder von der der Familie noch von einer überwiegenden Zahl der Genoss*innen verstanden wurde. Schuldige wurden auch hier gefunden: Zwei der vier gleicheren. Alle anderen Beteiligten waren immer Opfer, egal bei welchem Thema. Später hat ein neuer Vorstand alle Mitglieder quasi als Abschiedsgeschenk für die Verurteilten (so sehe ich es), namentlich in Täter und Opfer eingeteilt und dies wurde tatsächlich von fast allen Bewohnerinnen, die bleiben wollten, schriftlich begrüßt. Täter waren demnach genau die Menschen aus den vier Partien, die aktuell das Projekt verlassen wollten. Opfer waren alle anderen.

*6 Beispiel Veranstaltungen: Unsere Kassenwärterin des Hausvereins hat häufig die Unterdeckung des Hausvereins angesprochen. Der Hausverein war wirtschaftlicher Betreiber der Gemeinschaftsräume, nahm jedoch nicht genug Geld ein (aus den Mitgliedschaftsbeiträgen). Also war auch die Kassenwärterin nicht müde, die Veranstaltungen als wichtige Einnahmequelle für den Hausverein zu betonen. Nun anscheinend nicht mehr.